Wildschweine

Fantastisch ist das skulpturale Werk des 1957 in Essen geborenen und an der Hochschule für Bildende Künste Dresden lehrenden Bildhauers Carl Emanuel Wolff. Mit seinen Tier- und Fabelwesen, seinen Märchenfiguren und personifizierten Alltagsgegenständen bevölkert der Künstler für gewöhnlich den weißen Ausstellungsraum und fordert die Fantasie der Betrachterinnen und Betrachter heraus, „sich auf das Werk als Kunst einzulassen und es in und durch Betrachtung zu vervollständigen“ wie die Kunsthistorikerin Karin Stempel schrieb.

In Ehrenfriedersdorf interveniert Wolff mit drei Bronzeskulpturen unter freiem Himmel hinter dem Besucherbergwerk und dem Mineralogischen Museum, die als Wildschweine in Lebensgröße gelesen werden können.

Sie stehen, sitzen, liegen ohne Sockel auf dem Boden. Deutlich sind die Arbeitsspuren an den Bronzekörpern zu erkennen, die der Künstler mit bloßen Händen und einfachen Werkzeugen dynamisch aus dem feuchten Modellmaterial herausgearbeitet hat, als wären sie direkt vor Ort und aus dem Ort geschaffen. Die patinierte Rotgussbronze der Skulpturen, die beim Gießen aus der Modellform entstanden sind, enthält neben Eisen auch Zinn, dessen Erz bis 1990 in Ehrenfriedersdorf abgebaut wurde. Der Legende nach entdeckten dort vor rund 800 Jahren Wildschweine das Mineral, in deren Fell nach einem Schlammbad Zinnstein schimmerte und die Bewohner von Ehrenfriedersdorf ermunterte, am heutigen Sauberg nach Erz zu suchen.  

Der Kunst- und Skulpturenweg PURPLE PATH

Die Landschaften um Chemnitz – das Erzgebirge, Mittelsachsen, das Zwickauer Land – sind tief geprägt von der 850-jährigen Geschichte des Bergbaus. Der Abbau von Silber, Zinn, Kobalt, Kaolin und Wismut hat das Leben bestimmt; alle Wege, Straßen, Siedlungen haben irgendwie damit zu tun. Es ist eine Geschichte mit Höhen und Tiefen, die im 21. Jahrhundert neu entdeckt werden will.

»C the Unseen« lautet das Leitmotiv der Kulturhauptstadt Europas 2025. Chemnitz und die Region werden Besucher:innen aus der ganzen Welt empfangen. Ein zentrales künstlerisches Angebot ist der Kunst- und Skulpturenweg des PURPLE PATH mit Arbeiten von internationalen und sächsischen Künstler:innen.

Kuratiert von Alexander Ochs orientiert sich der PURPLE PATH am Narrativ „Alles kommt vom Berg her“ und verbindet 38 Kommunen im Erzgebirge, in Mittelsachsen und dem Zwickauer Land mit der Europäischen Kulturhauptstadt Chemnitz 2025.

Uli Aigners Monumentale Porzellane ist das sechste Kunstwerk am kontinuierlich wachsenden PURPLE PATH. Bereits installierte Werke stammen von Nevin Aladağ in Zwönitz, Tony Cragg in Aue-Bad Schlema, Friedrich Kunath in Thalheim, Tanja Rochelmeyer in Flöha und Carl Emanuel Wolff in Ehrenfriedersdorf.

Fotos: Ronny Küttner/photoron

Titelfoto: Thomas Liebert

Texte: Ulrike Pennewitz / Alexander Ochs

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