Fünf Tage lang haben 60 ältere Menschen in der Hartmannfabrik getanzt. Angeleitet wurden sie dabei von den beiden japanischen Choreografen Yoko Ando und Ryu Suzuki. Die beiden haben vom 30. Mai bis zum 3. Juni 2024 den ersten von insgesamt drei geplanten drei Intensiv-Workshops gegeben. Dieses Angebot ist eine Kooperation von Chemnitz 2025, Dance Base Yokohama und den Theatern Chemnitz  als Teil des Tanzprojekts „Tanzende Nachbarn“.

Der Tanz und die Bewegung wurden zur gemeinsamen Sprache zwischen den Gästen aus Japan und den Chemnitzer Teilnehmenden. Der älteste war 87 Jahre alt. „Wir sind in der kurzen Zeit eine Tanzcompany  geworden“, fand er. Das Fazit einer anderen Teilnehmerin: „Im Alltag werden wir älteren Menschen oft nicht wahrgenommen. In diesem Workshop haben wir unsere körperliche Präsenz trainiert. Ich habe mich gesehen gefühlt und das war großartig.“

Das Team Generation von Chemnitz 2025 hat Yoko Ando und Ryu Suzuki eingeladen, ihre Erfahrung in der Arbeit mit älteren Menschen hier in Chemnitz zu teilen. Yoko Ando war viele Jahre lang Tänzerin in der weltbekannten Forsythe Company. Jetzt gehört sie zusammen mit dem Tänzer und Choreografen Ryu Suzuki zum Team von Dance Base Yokohama, einem Zentrum für zeitgenössischen Tanz und Choreografie in Japan.

Der Workshop ist Teil des Projekts „Tanzende Nachbarn“, das vom Team Generation initiiert und Anfang Mai mit großer Nachfrage gestartet wurde. Wöchentlich finden jeweils zwei Bewegungskurse für ältere Menschen statt, die die ehemalige Tänzerin Terrry Pedersen Pfeiffer leitet. 90 Senior:innen nehmen aktuell daran teil. Eine weitere wöchentliche Tanzklasse, ebenfalls unter der Leitung von Terrry Pedersen Pfeiffer, wird beim Ballett der Theater Chemnitz angeboten. Teilnehmende aller drei Gruppen sind nun in diesem Intensivworkshop zusammengekommen.

In Japan vollzieht sich die demografische Entwicklung hin zu einer zunehmend älteren Bevölkerung sehr viel schneller als in Deutschland. Deshalb gibt es dort bereits umfangreiche Erfahrung mit partizipativen Angeboten für ältere Menschen. Begleitende wissenschaftliche Studien belegen, dass insbesondere künstlerische Projekte unter professioneller Leitung erfolgreich dafür sorgen, dass ältere Menschen länger aktiv bleiben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.

In Chemnitz ist der Anteil der älteren Bevölkerung besonders hoch und deshalb die Arbeit mit dieser Generation ein inhaltlicher Schwerpunkt im Kulturhauptstadt-Programm. Die Kooperation mit Dance Base Yokohama soll über die drei in diesem Jahr geplanten Workshops hinausgehen und langfristig etabliert werden in enger Zusammenarbeit zwischen Chemnitz 2025 und dem Festival Tanz | Moderne | Tanz von Ballettdirektorin Sabrina Sadowska. Zur Eröffnung von Chemnitz 2025 am 18. Januar 2025 ist ein erster Auftritt geplant und mehrere weitere im Kulturhauptstadtjahr.

Alexandra Takats und Michal Sandor aus dem Programmteam von Chemnitz 2025 haben die Workshops organisiert und waren überwältigt von der positiven Resonanz: „Eine wichtige Rückmeldung der Teilnehmenden war, dass sie die Begegnung mit den beiden professionellen Tänzern als einen Austausch auf Augenhöhe empfunden und gespürt haben, wie schnell durch diese gemeinsame Aktivität auch Gemeinschaft entstehen kann.“

Die Intensivworkshops „Tanzende Nachbarn“ sind gefördert vom EU-Japan Fest Committee.

Fotos: Chemnitz 2025 / Peter Rossner

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