„Polygonales Pferd II“ von Gregor Gaida:

Fünf gleiche Vorderbeine eines steigenden Pferds, die in Segmente unterteilt und zu einer runden Form zusammengesetzt sind, überträgt der 1975 im polnischen Chorzów bei Katowice geborene und heute in Bremen lebende Künstler Gregor Gaida in eine skulpturale Groteske. Die serielle Setzung ihrer Gestalt erscheint wie ein surreales Traumbild eines Pferdes im Spiegelkabinett, das sich in Aluminiumguss manifestiert und in den realen Raum verschoben hat. Die lebensgroße Skulptur erinnert jedoch weniger an die Beine eines echten Pferdes als an reproduzierte Abgüsse von Reiterskulpturen, in denen das Tier als kraftvoll-dynamischer Unterbau erinnerungswürdiger Persönlichkeiten instrumentalisiert wird. Mit seiner Skulptur Polygonales Pferd II dekonstruiert und ironisiert Gaida die Pathosformel des Reiterdenkmals und schafft ein ebenso ironisches wie absurdes Sinnbild für das sich mit viel Kraft und Energie im Kreis drehende Selbst.

Statt den Reitern setzt Gaida mit seinem Werk dem Pferd ein Denkmal. Er thematisiert die symbiotische und zugleich ausgebeutete Rolle der Tiere in der menschlichen Gesellschaft und Arbeitswelt. Im mitteleuropäischen Bergbau trieben seit der frühen Neuzeit Pferde in so genannten Göpeln Wasserpumpen und Förderanlagen an.

Das Prinzip des um eine vertikale Antriebswelle kreisenden Pferdes wurde im 19. Jahrhundert vom Bergbau auf die Landwirtschaft übertragen. Statt Schächte zu teufen, trieb die Pferdestärke nun Dreschmaschinen oder Obstpressen an.  Das Dorfmuseum in Gahlenz / Oederan als Standort des Werks verweist auf einen der selten erhaltenen landwirtschaftlichen Pferdegöpel, die genannten  Technologietransfer veranschaulichen.

Der Kunst- und Skulpturenweg PURPLE PATH:

Die Landschaften um Chemnitz – das Erzgebirge, Mittelsachsen, das Zwickauer Land – sind tief geprägt von der 850-jährigen Geschichte des Bergbaus. Der Abbau von Silber, Zinn, Kobalt, Kaolin und Wismut hat das Leben bestimmt; alle Wege, Straßen, Siedlungen haben irgendwie damit zu tun. Es ist eine Geschichte mit Höhen und Tiefen, die im 21. Jahrhundert neu entdeckt werden will.

»C the Unseen« lautet das Leitmotiv der Kulturhauptstadt Europas 2025. Chemnitz und die Region werden Besucher:innen aus der ganzen Welt empfangen. Ein zentrales künstlerisches Angebot ist der Kunst- und Skulpturenweg des PURPLE PATH mit Arbeiten von internationalen und sächsischen Künstler:innen.

Kuratiert von Alexander Ochs orientiert sich der PURPLE PATH am Narrativ „Alles kommt vom Berg her“ und verbindet 38 Kommunen im Erzgebirge, in Mittelsachsen und dem Zwickauer Land mit der Europäischen Kulturhauptstadt Chemnitz 2025.

Gregor Gaidas „Polygonales Pferd II“  ist das siebte Kunstwerk am kontinuierlich wachsenden PURPLE PATH. Bereits installierte Werke stammen von Iskender Yediler in Lichtenstein/Sa., Uli Aigner in Lößnitz, Nevin Aladağ in Zwönitz, Tony Cragg in Aue-Bad Schlema, Friedrich Kunath in Thalheim, Tanja Rochelmeyer in Flöha und Carl Emanuel Wolff in Ehrenfriedersdorf.

38 Kommunen und Gemeinden bilden gemeinsam mit Chemnitz die Kulturhauptstadtregion, die im Jahr 2025 Europäische Kulturhauptstadt sein wird. Bis zum Jahr 2025 und darüber hinaus wird der PURPLE PATH, ein großer Kunst- und Skulpturenweg sowie und Hauptprojekt der Kulturhauptstadt, in der Region entstehen. 

Titelfoto: Daniela Schleich

Fotos: Ernesto Uhlmann / radar studios

Texte: Ulrike Pennewitz / Alexander Ochs

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