zum Werk „Trashstone 689“

Wie ein glaziales Relikt liegt ein silberner Brocken erratisch am Freiberger Lomonossowplatz. Der 1959 in Grevenbroich geborene, in Rommerskirchen arbeitende und an der Dresdener Hochschule für Bildende Künste lehrende Bildhauer Wilhelm Mundt hat eine seiner ikonischen Skulpturen aus der Serie Trashstone in der Silberstadt platziert. Die elegant spiegelnde Aluminiumoberfläche der Skulptur umschließt eine hermetische Innenwelt, die nach Angaben des Künstlers aus Produktionsrückständen des Ateliers besteht, den Betrachtenden jedoch verborgen bleibt.

In den Prozessen des visuellen Abtastens der amorphen Formen und des Nachdenkens über die Gegenstände im Inneren reflektiert die Skulptur ihre Umgebung und lässt die Betrachtenden, die sich in ihrer Oberfläche wie in einem Zerrspiegel sehen, zu beteiligten Akteur:innen werden. Neben die Erfahrung von Form und Material vor Ort tritt das Wissen um die Verwandlung von Abfall in Kunst. Was genau im Inneren der Skulptur eingeschlossen ist bleibt ihr Geheimnis und begründet so einen Mythos um ihre Existenz. Mundts Trashstone erinnert an die frühen Silberfunde in der Bergbau-Region um Freiberg, die im Jahr 1168 das „Große Berggeschrey“, den „Goldrausch des Erzgebirges“ auslösten. Neben neuen Siedler:innen brachte der Silberbergbau auch Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler wie Novalis, Alexander von Humboldt oder Michail Wassiljewitsch Lomonossow in eine Stadt mit einem neuen liberalen Selbstverständnis. Die Bergleute waren von Frondiensten und Abgaben befreit. Beides spiegelt sich bis heute im Namen der Stadt wider: Freiberg.

Mit Grußworten von:

  • Sven Krüger, Oberbürgermeister der Universitätsstadt Freiberg
  • Michael Kretschmer, Ministerpräsident des Freistaats Sachsen
  • Ralph Burghart, Bürgermeister für Personal, Finanzen und Bildung der Stadt Chemnitz
  • Andrea Pier, Kaufmännische Geschäftsführerin Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025 gGmbH

In die Arbeit Wilhelm Mundts führen ein:

  • Alexander Ochs, Kurator des PURPLE PATH

Musikalische Umrahmung durch Jürgen Karthe, Bandoneon.

Der Künstler Wilhelm Mundt ist anwesend.

Die Einladung zum Download.

Der Kunst- und Skulpturenweg PURPLE PATH

Die Landschaften um Chemnitz – das Erzgebirge, Mittelsachsen, das Zwickauer Land – sind tief geprägt von der 850-jährigen Geschichte des Bergbaus. Der Abbau von Silber, Zinn, Kobalt, Kaolin und Wismut hat das Leben bestimmt; alle Wege, Straßen, Siedlungen haben irgendwie damit zu tun. Es ist eine Geschichte mit Höhen und Tiefen, die im 21. Jahrhundert neu entdeckt werden will.

»C the Unseen« lautet das Leitmotiv der Kulturhauptstadt Europas 2025. Chemnitz und die Region werden Besucher:innen aus der ganzen Welt empfangen. Ein zentrales künstlerisches Angebot ist der Kunst- und Skulpturenweg des PURPLE PATH mit Arbeiten von internationalen und sächsischen Künstler:innen.

Kuratiert von Alexander Ochs orientiert sich der PURPLE PATH am Narrativ „Alles kommt vom Berg her“ und verbindet 38 Kommunen im Erzgebirge, in Mittelsachsen und dem Zwickauer Land mit der Europäischen Kulturhauptstadt Chemnitz 2025.

Mit Jeppe Heins „Modified Social Bench“ in Jahnsdorf, sind bislang insgesamt zwölf Kunstwerke fest installiert: von Nevin Aladağ in Zwönitz, Tony Cragg in Aue-Bad Schlema, Friedrich Kunath in Thalheim, Tanja Rochelmeyer in Flöha, Carl Emanuel Wolff in Ehrenfriedersdorf, Uli Aigner in Lößnitz, Iskender Yediler in Lichtenstein/Sa., Gregor Gaida in Oederan, Alice Aycock in Seiffen, Jay Gard in Olbernhau und Jeppe Hein in Jahnsdorf.

Texte: Ulrike Pennewitz / Alexander Ochs

Fotos: Johannes Richter & Ernesto Uhlmann / radar studios

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