Plywood

Die in weißem Farbton pulverbeschichtete, aus Stahlblechen gefertigte Skulptur des 1984 geborenen, in Karl-Marx-Stadt/Chemnitz aufgewachsenen und heute in Berlin lebenden Künstlers Jay Gard lässt das Wort „Plywood“ (Sperrholz) lesen. Metall simuliert Holz, verstärkt wird das Verwirrspiel durch die Verwendung der ikonischen Typografie des Schriftzugs „Hollywood“, der seit 1921 als Markenzeichen den für seine legendären Filmstudios bekannten Stadtteil in Los Angeles/USA prägt. In mehrfacher Weise scheint die Skulptur Gards etwas vorzugeben, was sie dem Material nach gar nicht ist. Tatsächlich präsentiert sie demonstrativ sprachliche und visuelle Symbole. Die Technik der spielerischen Kombinatorik von Zeichen macht eine lose Beziehung sichtbar, die zwischen vielen sprachlichen oder visuellen Symbolen und den sie transportierenden Bedeutungen besteht. So ließen sich aus den sieben Buchstaben des Worts „Plywood“ 46 (englische) Wörter mit unterschiedlichsten Bedeutungen zusammensetzen*. So versinnbildlicht das Kunstwerk „Plywood“ auch durch seinen Standort am Olbernhauer Bahnhof in Beziehung stehende Prozesse der Transformation, Kombinatorik und Bedeutungsverschiebung ökonomischer, kultureller und symbolischer Aspekte in Olbernhau: War die Stadt, ausgehend von ihrer in 1933/34 für das so genannte Winterhilfswerk geschaffenen Holzfigur Reiterlein und dem in der DDR äusserst innovativen und damit erfolgreichen Spielzeugkombinat VERO bis zur Wende ein blühender Ort der Holzproduktion, erlebte die Erzgebirgsstadt in den 1990er Jahren einen großen ökonomischen und damit einhergehenden kulturellen Aderlass.

Mit freundlicher Unterstützung der Leinemann-Stiftung für Bildung und Kunst.

Mit Grußworten von:

  • Jörg Klaffenbach, Bürgermeister Stadtverwaltung Olbernhau
  • Staatssekretärin Barbara Meyer, Staatsministerium für Regionalentwicklung, Freistaat Sachsen
  • Ralph Burghart, Bürgermeister für Personal, Finanzen und Bildung, Stadt Chemnitz
  • Andrea Pier, Kaufmännische Geschäftsführerin Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025 gGmbH

In die Arbeit Jay Gards führten ein:

  • Alexander Ochs, Kurator des PURPLE PATH
  • Anja Richter, Kuratorin Museum Gunzenhauser, Kunstsammlungen Chemnitz

Der Künstler Jay Gard ist anwesend.

Der Kunst- und Skulpturenweg PURPLE PATH

Die Landschaften um Chemnitz – das Erzgebirge, Mittelsachsen, das Zwickauer Land – sind tief geprägt von der 850-jährigen Geschichte des Bergbaus. Der Abbau von Silber, Zinn, Kobalt, Kaolin und Wismut hat das Leben bestimmt; alle Wege, Straßen, Siedlungen haben irgendwie damit zu tun. Es ist eine Geschichte mit Höhen und Tiefen, die im 21. Jahrhundert neu entdeckt werden will.

»C the Unseen« lautet das Leitmotiv der Kulturhauptstadt Europas 2025. Chemnitz und die Region werden Besucher:innen aus der ganzen Welt empfangen. Ein zentrales künstlerisches Angebot ist der Kunst- und Skulpturenweg des PURPLE PATH mit Arbeiten von internationalen und sächsischen Künstler:innen.

Kuratiert von Alexander Ochs orientiert sich der PURPLE PATH am Narrativ „Alles kommt vom Berg her“ und verbindet 38 Kommunen im Erzgebirge, in Mittelsachsen und dem Zwickauer Land mit der Europäischen Kulturhauptstadt Chemnitz 2025.

Mit Jay Gard Skulptur „Plywood“ in Olbernhau, sind bislang insgesamt zehn Kunstwerke fest installiert: von Nevin Aladağ in Zwönitz, Tony Cragg in Aue-Bad Schlema, Friedrich Kunath in Thalheim, Tanja Rochelmeyer in Flöha, Carl Emanuel Wolff in Ehrenfriedersdorf, Uli Aigner in Lößnitz, Iskender Yediler in Lichtenstein/Sa., Gregor Gaida in Oederan und Alice Aycock in Seiffen.

Text: Ulrike Pennewitz / Alexander Ochs

Foto: Johannes Richter / radar studios

Courtesy: Jay Gard

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