Dauer: 45 min
Information: In französischer Sprache mit deutscher Übersetzung.
Eine riesige blaue Kugel auf offenem Platz. Sie bewegt sich langsam, schwerfällig und zugleich verspielt. Eigenwillige Wesen quellen aus ihr heraus: tastend, einander neugierig beäugend, wirr und doch elegant agierend. Niemand spricht. Die Kugel wechselt die Farbe. Es entsteht ein buntes Treiben. Dann wird verhandelt, gestritten und gelacht. Aus dieser Dynamik entwickelt sich eine Abfolge widersprüchlicher Situationen. Missverständnisse gehören dazu, Nähe genauso wie Distanz. Schritt für Schritt erwächst eine skurrile Gemeinschaft aus einer Art Gleichzeitigkeit an
Situationen, die nicht Einheit zum Ziel hat, sondern Koexistenz. Unterschiede bleiben sichtbar. Genau darin liegt ihre poetische Kraft.
Große Bilder und Freude am Erleben sind die Stärken dieser Produktion. Humor und visuelle Klarheit schaffen ein Theatererlebnis für Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Es ist ein Stück, das mit wenigen Worten auskommt und dennoch viel verhandelt: wie Gemeinschaft entsteht, wie Unterschiede sichtbar bleiben dürfen und wie Verständigung jenseits von Sprache möglich wird.
Die Compagnie Ivoire Marionnettes aus Abidjan in der Elfenbeinküste arbeitet mit einer monumentalen Großpuppe, die zugleich Figur, Raum und Gegenüber ist. Sie zieht Blicke an, sammelt Menschen um sich, schafft einen temporären Mittelpunkt. Ohne großes Bühnenbild und ohne technische Raffinessen entfaltet sich ein Theater, das direkt wirkt: körperlich, farbig, einladend.
Vom 18. Juni bis 5. Juli 2026 steht Chemnitz im internationalen Rampenlicht: Deutschlands größtes internationales Theaterfestival „Theater der Welt“ kommt nach Chemnitz – direkt im Anschluss an das Kulturhauptstadtjahr 2025. Drei Wochen lang wird Chemnitz zum Treffpunkt für Künstler:innen, Zuschauer:innen und Theaterbegeisterte aus aller Welt. Auf Bühnen, im Stadtraum und an außergewöhnlichen Orten entsteht ein lebendiges Fest der darstellenden Künste, das Grenzen überwindet und Geschichten aus allen Teilen der Welt zusammenbringt.
Die Gestaltung des Festivalprogramms übernehmen neun internationale Kurator:innen aus Australien, Kanada, Kolumbien, Argentinien, Südafrika, Griechenland, Jordanien, Indien, Senegal und China. Im November treffen sie sich in Chemnitz, um rund 40 herausragende Produktionen auszuwählen – Arbeiten, die sie zuvor in ihren Regionen gesichtet haben. So entsteht ein inspirierendes Panorama aktueller Theaterformen, Sprachen und Perspektiven.