Dauer: 1h 20 min
Information: In französischer Sprache mit deutscher und englischer Übertitelung.
Eine Frau wirft ein Bonbonpapier auf den Boden. Das reicht. Eine Polizeikontrolle, eine Festnahme, eine Nacht in Gewahrsam. Der Vorwurf ist banal, die Konsequenz nicht. Ihr Körper wird fixiert, befragt, reduziert. Ordnung wird durchgesetzt. La Grande Ourse, deutsch „Die Große Bärin“, beginnt dort, wo staatliche Macht alltäglich wird. Die Autorin Penda Diouf hat ihre Wurzeln im Senegal und in der Elfenbeinküste. In Frankreich lebend, schreibt sie keine Metapher für Gewalt, sie beschreibt deren Mechanismen: Überwachung, Disziplinierung, Beschämung, vollzogen an einer Frau. Sie wird beobachtet und bewertet. Der dichte Text lässt keine Distanz zu, er bleibt nah am Körper, an der Stimme. Dioufs Schreiben setzt dort an, wo Sprache oft versagt: bei Scham, Wut, Kontrollverlust. Im Stück beginnt die Frau zu hören, was unter der Oberfläche liegt. Der Körper verändert sich. Die Wut nimmt Gestalt an. Die Frau wird zur großen Bärin.
Vom 18. Juni bis 5. Juli 2026 steht Chemnitz im internationalen Rampenlicht: Deutschlands größtes internationales Theaterfestival „Theater der Welt“ kommt nach Chemnitz – direkt im Anschluss an das Kulturhauptstadtjahr 2025. Drei Wochen lang wird Chemnitz zum Treffpunkt für Künstler:innen, Zuschauer:innen und Theaterbegeisterte aus aller Welt. Auf Bühnen, im Stadtraum und an außergewöhnlichen Orten entsteht ein lebendiges Fest der darstellenden Künste, das Grenzen überwindet und Geschichten aus allen Teilen der Welt zusammenbringt.
Die Gestaltung des Festivalprogramms übernehmen neun internationale Kurator:innen aus Australien, Kanada, Kolumbien, Argentinien, Südafrika, Griechenland, Jordanien, Indien, Senegal und China. Im November treffen sie sich in Chemnitz, um rund 40 herausragende Produktionen auszuwählen – Arbeiten, die sie zuvor in ihren Regionen gesichtet haben. So entsteht ein inspirierendes Panorama aktueller Theaterformen, Sprachen und Perspektiven.