Dauer: 55 min
Information: In Spanisch und Nukak mit deutscher und englischer Übermittlung
Der Amazonas trägt Gewalt und Widerstand in seinem Gedächtnis. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verwandelte der Kautschukboom den Regenwald im Dreiländereck von Kolumbien,
Venezuela und Brasilien in eine Zone menschlicher Grausamkeiten. Von Abenteurer:innen und Verbrecher:innen in einen Geldrausch hineingezogen, wurden indigene Gemeinschaften versklavt und ausgebeutet. Diese Abgründe beschreibt der Kolumbianer José Eustasio Rivera 1924 in seinem bahnbrechenden Roman „Der Strudel“. Die eindringliche Produktion aus Kolumbien überführt Motive daraus in eine begehbare, installative Form.
Bekannt für seine bildstarken Inszenierungen, entwickelt das Mapa Teatro aus Bogota ein Kaleidoskop aus Video, Texten und Situationen. In einer geschickten Dramaturgie ist der Roman präsent und doch geht es auf der Bühne vor allem um diejenigen, die darin nur am Rand vorkommen: die Mitglieder der Nukak, eine der letzten nomadischen Gemeinschaften Kolumbiens. Ihr Schicksal ist eng mit der Gewalt verbunden, die die Kautschukindustrie ausgelöst hat. Durch die mutige Entscheidung einer Gruppe von Nukak,
an der Entstehung dieses Kunstwerkes mitzuwirken, ist ein außergewöhnliches Bühnenwerk entstanden.
Vom 18. Juni bis 5. Juli 2026 steht Chemnitz im internationalen Rampenlicht: Deutschlands größtes internationales Theaterfestival „Theater der Welt“ kommt nach Chemnitz – direkt im Anschluss an das Kulturhauptstadtjahr 2025. Drei Wochen lang wird Chemnitz zum Treffpunkt für Künstler:innen, Zuschauer:innen und Theaterbegeisterte aus aller Welt. Auf Bühnen, im Stadtraum und an außergewöhnlichen Orten entsteht ein lebendiges Fest der darstellenden Künste, das Grenzen überwindet und Geschichten aus allen Teilen der Welt zusammenbringt.
Die Gestaltung des Festivalprogramms übernehmen neun internationale Kurator:innen aus Australien, Kanada, Kolumbien, Argentinien, Südafrika, Griechenland, Jordanien, Indien, Senegal und China. Im November treffen sie sich in Chemnitz, um rund 40 herausragende Produktionen auszuwählen – Arbeiten, die sie zuvor in ihren Regionen gesichtet haben. So entsteht ein inspirierendes Panorama aktueller Theaterformen, Sprachen und Perspektiven.