Nachbarn
Wer sind die Menschen, die Tür an Tür mit uns leben? Was bewegt sie, was treibt sie an? Und wie sieht die Nachbarschaft aus, die wir gemeinsam gestalten wollen? Im Kulturhauptstadtjahr haben wir den ersten Schritt getan: Wir sind zusammengekommen, haben einander zugehört und voneinander gelernt.
Apfelbäume für alle
Bei Gelebte Nachbarschaft pflanzten, pflegten und feierten Nachbar:innen Apfelbäume in über 600 Sorten. Gemeinsam geschah das in Pflanzfestivals, mit Pflegetipps und -tricks in Bildungsangeboten und in den Küchen der Stadt und Region. Freudenfrüchte für alle ist Ziel dieses Projekts. Im Zentrum steht das Chemnitzer Engagement für ein fruchtbares und zukunftsstarkes Lebensumfeld. Denn die Bäume, die in den nächsten Jahren heranwachsen, bieten die Grundlage für so mancherlei Kuchen, Mus und Saft.
Dialogfelder auf dem Sonnenberg
Der Sonnenberg hat den Ruf, ein bisschen rauer zu sein. Einst Arbeiter:innenviertel, ist es heute Chemnitz’ jüngster Stadtteil und der mit dem höchsten Zuzug von Migrant:innen. Am Rand liegt das Stadion des Chemnitzer Fußballclubs, sanierter Altbau steht neben gepflegtem Plattenbau, Fine Dining trifft auf sichtbare Armut.
Dreimal lebten und arbeiteten internationale Künstler:innen sechs Wochen lang in Chemnitz, lernten die Stadt und ihre Menschen kennen und entwickelten neue künstlerische Ideen beim Projekt Dialogfelder. Ihre Arbeiten schufen im öffentlichen Raum Orte der Begegnung. Bei öffentlichen Treffen konnten Besucher:innen die Projekte kennenlernen, Fragen stellen und mit den Künstler:innen ins Gespräch kommen.
Der NSU-Komplex in der Nachbarschaft
Die 1990er Jahre werden in Ostdeutschland als »Baseballschlägerjahre« bezeichnet. Die Gewalt war der Nährboden für rechtsterroristische Gewalt. In Deutschland wurden die zweite und dritte Generation von Menschen geboren, deren Eltern nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland kamen, um das Land aufzubauen. Ausgehend vom NSU-Komplex zeigte der Offene Prozess diese Migrationsgeschichten und den alltäglichen Rassismus, dem die Menschen bis heute ausgesetzt sind. Aber auch ihren Widerstand dagegen. Sie schilderte die kontinuierliche rechte Gewalt und die lauten Stimmen, die sich gegen sie zur Wehr setzten.